Leuchtturm oder Kerzenstummel?

Unter dem Titel "Die katholischen Verbände in Deutschland - Leuchtturm oder Kerzenstummel?" hat der Journalist und Kommunikationsberater Heinrich Wullhorst aus Duisburg ein Buch veröffentlicht, das in diesem Jahr im Bonifatius-Verlag in Paderborn erschienen ist. Als langjähriger Pressesprecher des Kolpingwerkes Deutschland kennt er die Verbandswirklichkeit und weiß darüber einiges zu berichten.

Am Anfang stand für Heinrich Wullhost die Feststellung des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck: "Diese Sozialformen haben keine große Attraktivität mehr. ... Das ist nicht mehr unsere Kultur, in der wir leben." Gemeint waren damit die katholischen Verbände. Zugleich aber sagte der Bischof, dass ihre Themen weiterhin wichtig seien. Diese Unstimmigkeit veranlasste Wullhorst, sich näherhin mit der Frage zu befassen: Brauchen wir die katholischen Verbände wirklich nicht mehr?

In zahlreichen Gesprächen mit Vertretern verschiedener katholischer Verbände ging er dieser Frage nach. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass sich alle Verbände bei ihrer Gründung zunächst mit einer konkreten Aufgabenstellung an eine klar umschriebene Zielgruppe richteten. Zumeist bedurfte eines "mutigen Gründers" wie etwa Adolph Kolping, der "seinen" Gesellenverein für die am Rande der damaligen Gesellschaft stehenden wandernden Handwerksburschen schuf. Oftmals habe dieses Laienengagement sich jedoch gestoßen mit dem kirchlichen Obrigkeitsdenken. Erst mit dem Zweiten Vatikanum sei es hier zu einer ersten Öffnung gekommen.

Im Namen der Kolpingsfamilie überreichte Gerd Holtkotten dem Referenten ein kleines Präsent

So wie die Zeit Kolpings von der Industriellen Revolution gekennzeichnet war, so befinden wir uns heute in einer Zeit des medialen Wandels. Wie Kolping sich damals auf die neuen Gegebenheiten eingestellt hat, so müssen sich auch die Verbände heute den Veränderungen anpassen: "Wenn wir die Menschen erreichen wollen, dann müssen wir uns dort bewegen, wo sie sich gern aufhalten", sagte der Referent. Dazu gehören soziale Plattformen wie Facebook, Twitter und Youtube zur Verbreitung verbandlicher Nachrichten ebenso wie ein Internetauftritt. "Wenn uns das gelingt, dann können die Verbände auch heute noch Leuchtürme sein".