Angekommen? - Flüchtlinge in Hagen

Ralf Zumstrull neben Versammlungsleiter Hermann Müller

Der massenhafte Andrang von Menschen, die sich aus ihrer Heimat vor Krieg, Verfolgung und Elend nach Europa auf den Weg gemacht haben, stellt die „Durchreise-“ und Aufnahmeländer vor besondere Herausforderungen. Weil gerade Deutschland von vielen dieser Flüchtlinge als Ziel genannt wird, stellt sich die Frage, wie unsere Gemeinde Hagen a. T. W. vom Zustrom dieser Menschen betroffen ist, welche Aufgaben daraus erwachsen und wie diese bewältigt werden. Ralf Zumstrull, der bei der Gemeinde für Flüchtlingsfragen zuständig ist, hatte sich bereiterklärt, am 12. April im Pfarrheim hierüber zu berichten und offene Fragen zu erörtern.

Auch in früheren Jahren – so der Referent – sind schon Asylsuchende nach Hagen gekommen; z. T. leben diese Menschen schon seit einer Reihe von Jahren hier, fühlten sich in ihrer neuen Heimat wohl und helfen dabei, heute nach hier kommende Verwandte zu ingetrieren. Als der Zustrom von Flüchtlingen – vor allem in der zweiten Hälfte 2015 – enorm zunahm, sah man sich auch in Hagen vor eine schwierige Situation gestellt, zumal die Verteilung auf die Kommunen per „Zuweisungsquote“ erfolgt. Um von der Entwicklung nicht überrollt zu werden, wartete man nicht auf solche Zuweisungen, sondern bemühte sich selbst darum, möglichst junge Familien mit Kindern nach Hagen zu holen, vor allem aus Syrien, Irak und Afghanistan stammend.

Für sie mietete die Gemeinde privaten Wohnraum an, der mit gespendeten oder günstig erworbenen Möbeln eingerichtet wurde. Kindergarten- und Schulbesuch der Kinder sollten darüber hinaus zur Integration der Familien beitragen. Mit diesem Konzept ist es der Gemeinde gelungen, die ihr zugeteilte Zuweisungsquote bereits vor dem Stichtag zu 100% zu erfüllen. Mit der Schließung der sog. Balkanroute kommen in Augenblick so gut wie keine neuen Flüchtlinge an; insofern ist anzunehmen, dass fürs erste der eingeschlagene Weg weiter verfolgt werden kann.

Rund 50 Besucherinnen und Besucher waren der Einladung der Kolpingsfamilie gefolgt

Allerdings hat es die bisherige Situation über die Unterbringung hinausgehende Aktivitäten seitens der Kommune kaum zugelassen. Von daher hob der Referent ausdrücklich die verschiedenen ehrenamtlichen Aktivitäten hervor: Patenschaften für Flüchtlingsfamilien, Nachmittagsbetreuung in der Schule, Transportfahrten zum und vom Kindergarten, Angebote für sportliche Aktivitäten … Gerade in diesen und sicher vielen anderen Bereichen seien weitere Helferinnen und Helfer gefragt, denn hier werde maßgeblich zur Integration beigetragen. Probleme bestünden gegenwärtig bei Kindergartenplätzen, aber auch bei Arbeitsplätzen und insbesondere bei Sprachkursen. Die Frage der Religionsausübung in der neuen Umwelt sei bislang noch nicht thematisiert worden